Heidorn erobert Tabellenführung nach Handballkrimi

Nach einem Handballkrimi herrschte in der Wunstorfer Meerfestung Partystimmung. Die Fans feierten die Jungs, die in den letzten Sekunden einen 32:30 (15:17)-Sieg gegen den TV Cloppenburg und damit die Tabellenführung in der Regionalliga erkämpften. Trainer Stephan Lux freute sich über einen „dreckigen Sieg. Der Gegner hat uns sein Spiel aufgezwungen. Aber wir haben bis zum Ende daran geglaubt.“

Schon nach 100 Sekunden führten die Gastgeber mit 3:0. Die ersten begannen schon da zu träumen, doch ebenso schnell war der Vorsprung wieder dahin. Dann war wieder der MTV am Zug. Leander Pietsch netzte zum 6:3 (8.) ein. Ähnlich wie in der Vorwoche gegen Nienburg schwand die Konzentration. Julius Bausch traf zum 10:8 (16.) ins leere Tor, doch Mitte der ersten Hälfte war der Rhythmus futsch. Exemplarisch dafür: Torhüter Felix Wernlein spielte einen Anwurf ebenso ins Nichts wie Bausch einen Pass. Dazu vergab Jakob Bormann einige freie Chancen. Mit seinen Fehlern hielt Heidorn den Gegner im Spiel, der folgerichtig zum 13:13 (23.) ausglich. In der Folge regierte die Hektik. In der 28. Minute nahm Lux („Wir machen technische Fehler und sind unkonzentriert.“) die überfällige Auszeit. Die verhinderte nicht, dass Cloppenburg mit der Sirene zum 15:17 traf.

Nach der Pause wuchs der Rückstand sogar auf 16:20 (35.). Die Heimpleite drohte. Die Einwechslung von Maximilian Kirchhoff brachte mehr Energie in die Deckung. Zwei Geniestreiche des Rechtsaußen brachten den 19:20-Anschluss (38.). Erst klaute er den Ball beim Anwurf, dann nach einem Freiwurf. Endlich war auch Stimmung auf den Rängen. Heidorn glich zum 23:23 (46.), 25:25 (50.) und 28:28 (54.) aus, machte sich das Momentum mit Ballverlusten oder Fehlwürfen aber immer wieder selbst zunichte.

Als der Wurf von Lars Bergmann über die Latte strich, schienen die Seeprovinzler beim 28:30 (57.) mausetot. Einer hatte etwas dagegen – Eric Frommeyer. Zwei seiner Paraden nutzten Joel Wolf und Jakob Bormann zum Ausgleich. Ein Fehlpass brachte den MTV erneut in Ballbesitz, und Kirchhoff ließ die Halle mit dem 31:30 beben. Die Spannung war kaum zu ertragen: 25 Sekunden vor Schluss provozierten Kirchhoff und Julius Bausch in Gemeinschaftsproduktion den Ballgewinn, ehe Bausch die Nerven verlor. Er riss dem Gegenspieler den Ball aus der Hand und kassierte dafür eine Zeitstrafe. Die Mitspieler blieben eiskalt. Unmittelbar vor dem Abpfiff holte Joel Wolf mit all seiner Routine sogar noch einen Siebenmeter heraus, den er selbst zum Endstand verwandelte.

Masseur Matthias Meyer konnte längst nicht mehr hinsehen: „Für unsere Nerven wäre mal ein klarer Sieg gut.“ Weil die TSV Burgdorf II 25:29 beim TvdH Oldenburg patzte, steht der MTV das erste Mal seit dem 2. Spieltag wieder auf Platz eins. „Der Tabellenstand interessiert mich nicht und zählt nächste Woche im Derby bei der HSG Schaumburg ohnehin nicht“, sagte Lux.

Bericht & Fotos: Uwe Serreck

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