Der MTV Großenheidorn ist Herbstmeister. Mit dem hart umkämpften 27:26 (12:14)-Sieg im Spiel des Jahres bei der HSG Schaumburg beendeten die Seeprovinzler die erste Halbserie in der Regionalliga auf Platz eins. Vor allem die letzten Minuten boten Drama. „Ich bin froh über den Sieg“, sagte Trainer Stephan Lux, der kaum noch Stimme hatte.
Simon Marotzke hatte 44 Sekunden vor Schluss die Entscheidung auf der Hand. Nachdem er zu genau zielte und einen Siebenmeter nur an die Unterkante der Latte nagelte, hatte die HSG noch die Chance auf den Ausgleich. Die starke Heidorner Abwehr ließ jedoch nur noch einen direkten Freiwurf zu. Der hätte allerdings um ein Haar den Weg ins Netz gefunden. Doch Torhüter Felix Wernlein war hellwach und lenkte die Kugel über die Latte. Danach gab es kein Halten mehr. Die Mitspieler stürmten zu ihrem Torhüter und schrien ihre Freude heraus.
In der ersten Hälfte gab es wenig Grund zur Freude. Mika Ritter besorgte mit dem 4:3 (8.) die erste Führung, die jedoch nicht lange hielt. Die Deckung inklusive Torhüter fand keine Mittel gegen die Schaumburger Rückraumschützen, und im Angriff erlaubte sich der MTV – wie schon in den letzten Wochen – unnötige technische Fehler. Lux zeigte Verständnis: „Wir sind fertig. Die Jungs brauchen unbedingt eine Pause und einige Tage ohne Handball.“ Folgerichtig geriet der MTV mit 11:13 (26.) ins Hintertreffen. Erst dann war durch den eingewechselten Felix Wernlein die erste Torhüterparade zu notieren.
In der Halbzeit erinnerte Lux seine Mannschaft daran, endlich Derby zu spielen, und stellte die Abwehr auf eine 6:0-Variante um. Diese wurde zum Bollwerk und verteidigte sogar etliche Unterzahlsituationen. Problematisch blieben die Ballverluste, sodass sich bis zum 18:20 (42.) nichts am Rückstand änderte. Der MTV behielt jedoch die Geduld. Joel Wolf drehte das Spiel eine Viertelstunde vor Schluss per Doppelpack zum 21:20.
HSG-Trainer Timm Dietrich brachte den siebten Feldspieler. Jakob Bormann – mit zehn Toren bester Schütze des MTV – sagte „Danke“ und netzte zum 25:22 (53.) zweimal ins verwaiste Tor ein. Zwei fragliche Siebenmeter und eine unberechtigte Zeitstrafe gegen Bormann brachten noch einmal Spannung. Kritik übte Lux nicht: „Wir dürfen uns nicht über die Schiedsrichter beschweren. Außerdem hatte ich keine Angst, dass es kippt.“ Auch Co-Trainer Florian Marotzke blieb gelassen: „Wir haben zwei Punkte und keiner hat sich verletzt. Weiter geht es.“
Das tut es am nächsten Samstag beim VfL Hameln in der Rattenfänger-Halle – vor einer vierstelligen Kulisse.
Bericht & Fotos: Uwe Serreck

