Nach einer zweistündigen Hitzeschlacht erkämpfte sich der MTV Großenheidorn in letzter Sekunde ein 34:34 (14:12) im Spitzenspiel der Regionalliga gegen die TSV Burgdorf II. „Wir fühlen uns wie die Gewinner“, sagte Kreisläufer Leander Pietsch, der im Sommer aus Burgdorf gekommen war. Der Anschlusstreffer von Jakob Bormann 25 Sekunden vor dem Ende schien zu spät, zumal die Gastgeber in Unterzahl waren. Statt den letzten Ballbesitz auszuspielen, tappten die Jungrecken in die Wurffalle und suchten den Abschluss. Mit einem Weltklassereflex verhinderte Felix Wernlein die Entscheidung. Es blieben zehn Sekunden. Pietsch passte zu Maurice Nolte, und der zog ab. Der Ball klatschte an den Innenpfosten und von dort ins Tor.
Der irre Schlusspunkt eines wilden Spiels. Für Bastian Weiß war es schon nach knapp sechs Minuten vorbei. Im Zweikampf mit Johannes Thiel bekam er den Ellenbogen ins Gesicht. Bitteres Resultat: Nasenbeinbruch. Jakob Bormann kam ins Spiel und hatte Glück, als er kurz danach in bester Fußballermanier umgegrätscht wurde. Die fällige Rote Karte für den Burgdorfer gab es nicht – nur eine von vielen falschen Entscheidungen der Schiedsrichter, die mit dem Tempo des Spiels in jeder Phase überfordert waren.
Nach dem 1:3-Rückstand (5.) fand der MTV endlich seinen Rhythmus und ging in der 27. Minute mit 12:9 in Führung. Verrückt wie das ganze Spiel verlief auch die letzte Minute der ersten Hälfte: Der Burgdorfer Siebenmeter klatschte nur ans Gebälk, im Gegenzug machte es Simon Marotzke besser.
Maximilian Kirchhoff und Luca Ritter legten zwei schnelle Treffer zum 16:13 (32.) nach. Wer glaubte, der MTV würde die Partie nun in den Griff bekommen, sah sich getäuscht. Innerhalb von zwölf Minuten wurde aus der scheinbar komfortablen Führung ein 21:25-Rückstand. Der Angriff agierte statisch, die Zahl der technischen Fehler stieg, und die Abwehr stand nur Spalier. Bis zum 23:27 (47.) kassierte der MTV in jedem Burgdorfer Angriff ein Gegentor. Der eingewechselte Eric Frommeyer wurde folgerichtig wieder von Felix Wernlein abgelöst. In der 49. Minute gab es endlich die erste Parade, die Julius Bausch im Gegenzug zum 25:27 nutzte. In der Abwehr bekam der MTV nun wieder besseren Zugriff, doch wenn ein Ball gewonnen wurde, gab es vorne eine Fahrkarte – der Rückstand wollte nicht kleiner werden.
Die Fans in der Meerfestung trieben ihre Jungs trotz aller Rückschläge unermüdlich an. Als die Deckung beim Stand von 32:34 zwei Minuten vor Schluss den Ball gewann, keimte Hoffnung auf die Wende. Bausch verlor das Spielgerät jedoch postwendend, und als Robert Dömötör obendrein eine Zeitstrafe bekam, schien die Entscheidung gefallen. Aber da war ja noch Teufelskerl Felix Wernlein…
Trainer Lux freute sich diebisch über den Punkt, blieb aber Realist: „Wir müssen nächste Woche in Alfeld vieles besser machen. Vor allem müssen wir wieder vernünftig Abwehr spielen.“

