„Spielen macht keinen Sinn mehr“: Das sagen die Vereine zum Saisonabbruch

Die Stimmen von Coach Stephan Lux und Bertrand Salzwedel vom Arbeitskreis Handball zum Abbruch findet ihr im hier verlinkten Artikel von SHG-Sport.de.

Von: Uwe Serreck, HAZ / NP

Spätestens nachdem die Bund- und Länderkonferenz in der vergangenen Woche den Lockdown bis zum 7. März verlängerte, war absehbar, dass der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) die Spielzeit 2020/21 nicht fortführen kann. Zu Beginn der Woche schuf das Präsidium Fakten.

 „Die politischen Beschlüsse zwingen uns, die Saison für beendet zu erklären“, wird Präsident Stefan Hüdepohl in der Pressemitteilung des Verbandes zur Präsidiumssitzung zitiert. Das war am Montagabend, am Mittwochmorgen beschloss das Präsidium dies auch offiziell.

Der Abbruch erfolgt ohne Wertung der bisherigen Ergebnisse, sodass es wie im Vorjahr keine Absteiger gibt. Der HVN folgt damit der Handballregion Hannover-Weser-Leine, die bereits vor zwei Wochen genauso entschied. „Die Saison 2021/22 wird in der Zusammensetzung und gegebenenfalls auch in den Staffeleinteilungen gespielt, wie die Saison 2020/21 geplant wurde“, heißt es im Verbandsbeschluss wörtlich.

Die Entscheidung des Verbandes findet die Zustimmung der Vereine. „Ich kann es nachvollziehen, dass man so lange gewartet hat, aber spielen macht keinen Sinn mehr“, sagt Lutz Ewert. Der Trainer des Oberligisten Lehrter SV wünscht sich allerdings, „dass wir zumindest wieder trainieren können“. Die Perspektive dafür scheint zurzeit jedoch eher düster. Der Anfang Februar von der niedersächsischen Landesregierung vorgestellte Entwurf für den Stufenplan 2.0 sieht die Aufnahme von Kontaktsport wie Handball erst bei Unterschreitung eines Inzidenzwertes von 25 vor.

„Sportler brauchen Perspektive“

Ähnlich wie die Vertreter des Niedersächsischen Fußballverbandes kritisiert Hüdepohl das Modell: „Die Sportler in Niedersachsen brauchen eine Perspektive. Das setzt voraus, dass der Amateursport nicht bis in den Sommer verboten bleibt.“ Leider kommt vom Landessportbund (LSB) nicht die gewünschte Unterstützung. „Ab dem 23. Juli regen wir die Rückkehr zum gewohnten Sportbetrieb ohne Einschränkungen in einem letzten Umsetzungsschritt im Sport (als Kontakt- und Wettkampfsport) an“, heißt es in einer Anfang des Monats veröffentlichten Stellungnahme des LSB.

Trotz der schlechten Vorzeichen plant der HVN noch vor den Sommerferien die Wiederaufnahme eines Wettkampfbetriebes. In welcher Form, das hängt nicht nur von der Pandemie ab, sondern auch davon, wie der Deutsche Handballbund (DHB) im März über die Zukunft der 3. Liga entscheidet. Dort wird es erneut einen Verzicht auf Absteiger in die Landesverbände geben. Laut HVN-Vizepräsident Schoof halte der DHB aktuell daran fest, Aufsteiger aus den Oberligen aufzunehmen. Der Spielausschuss des HVN wird daher in den nächsten Wochen eine Abfrage starten, welche Vereine Interesse zur Teilnahme an einer Aufstiegsrunde haben.

MTV-Pläne für die 3. Liga

Eine Lösung, die Großenheidorns Trainer Stephan Lux begrüßt. „Wir würden spielen, um anspruchsvollen Wettkampf zu haben“, sagt der MTV-Coach. Um seine Spieler in Form zu bringen, ist Lux ohnehin mit Fitnesstrainer Sven Goslar im Austausch. Die beiden haben bereits beim HSV Hannover erfolgreich zusammengearbeitet und wollen nun Pläne entwickeln, wie man das in Eigenverantwortung durchgeführte Pensum der Mannschaft steigern kann. „Nichts tun geht nicht. Sobald es möglich ist, gehen wir wieder in die Halle“, kündigt Lux an.

„Sechs bis acht Wochen Vorbereitung“

In den nächsten Tagen soll im Arbeitskreis Handball die Entscheidung fallen, ob der MTV schon im Sommer den Aufstieg in die 3. Liga anstrebt. Lux befürchtet dort in der kommenden Saison allerdings einen „brutalen Wettbewerb“, zumal er davon ausgeht, dass der DHB in einem Schritt die Reduzierung auf die eigentliche Sollstärke von 64 Klubs anstrebt.

Für alle anderen niedersächsischen Vereine, die ebenfalls noch spielen wollen, ist eine Wiederauflage des HVN-Pokals ein Gedankenmodell. An einem Angebot mit „eingeschränktem Wettkampfcharakter“ hätte der Lehrter Coach Ewert großes Interesse. „Ich würde das aber mit der Mannschaft absprechen.“ Eine Einschätzung, die sein Kollege Sven Reuter vom HV Barsinghausen teilt. Er stellt allerdings klar, „dass wir nichts machen, bevor wir nicht sechs bis acht Wochen Vorbereitung haben“.

Keine Alternative zum Abbruch

Die Umfrage unter den Landesligisten hatte schon vor 14 Tagen ein eindeutiges Meinungsbild ergeben. Jens Buchmeier, Pressesprecher der HSG Deister-Süntel, fasst zusammen, was über 90 Prozent der Vereine denken: „Ich sehe derzeit nicht, wann wir in die Hallen zurückkehren können. Insofern gibt es keine Alternative zum Abbruch.“ Buchmeier hält im Sinne „einer Verantwortung für die Gesundheit der Spieler“ eine Vorbereitungszeit von sechs Wochen für nötig, ehe man wieder starten könne. Einer wie auch immer ausgestalteten Überbrückungsrunde stünde der Landesliganeuling offen gegenüber. Laut HVN-Geschäftsführer Markus Ernst soll es in jedem Fall Angebote geben. In welcher Form ist derzeit noch offen.

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